2018 — Südamerika (Motorrad)

Routenbeschreibung

Von Mitte November 2018 bis Mitte Februar 2019 fuhren Jürgen und ich mit unseren Suzukis DR 650 und Harry mit seiner 800er BMW durch Südamerika. In den drei Monaten ging es von Chile nach Süden, über die Carretera Austral nach Patagonien, zur südlichsten Stadt der Welt Ushuaia. Von dort anschließend über die Ruta 40 durch Argentinien wieder nach Norden bis wir in Valparaiso in Chile Silvester feierten.

Im Neuen Jahr 2019 fuhren wir nach Norden, über den Paso de Agua Negra nochmals über die Anden. In Salta kurz Rast gemacht, dann nach Bolivien zum Salar de Uyuni, La Paz, die Ruta de la Muerte – und am Titicaca-See vorbei nach Peru. Hier wieder nach Westen bis nach Arequipa.

Dann ging es wieder nach Süden, durch die Atacama-Wüste, am Pazifik entlang bis wir wieder am Ausgangspunkt Valparaiso ankamen.

Die Reise

Begonnen hat die Reise Jahre zuvor mit der Planung. Als Jochen dann beruflich bedingt nicht mitfahren konnte stand unser 3er-Team fest. Wochen vorher gingen dann schon unsere Motorräder auf die Reise. Hierfür nahmen wir Kontakt auf mit der Firma Intime-Motorradtransporte, um unsere Bikes von Hamburg nach Valparaiso verschiffen zu lassen.

Mit einem Speditionsunternehmer konnten wir unsere Motorräder vom Süden Deutschlands bis nach Hamburg transportieren lassen.

Chile

Am 19.11.2018 fliegen wir mit Air Iberia über Madrid nach Santiago de Chile. Mit einem Mietwagen geht es dann zur Hafenstadt Valparaiso, wo wir uns bei Enzo und Martina in der Villa Kunterbunt einquartieren.

Tags drauf hilft uns Ronny von Intime bei der Zollabwicklung. Mindestens einen halben Tag sollte man einplanen und so haben wir abends noch Zeit, mit Enzo zu grillen und von Martina gute Tipps für die Strecke mitzunehmen.

22.11.18 – wir sind „on the road“. Zuerst geht es am Pazifik entlang nach Süden. An San Antonio vorbei bis zu unserem ersten „Campingplatz“ um einen Baum herum zwischen surfbegeisterten Chilenen.

Am zweiten Tag finden wir einen etwas besseren Campingplatz „Sol y Sombra“ südlich von Talca. Hier experimentiert Harry etwas mit seiner Drohne.

Sol y Sombra – Sonne und Schatten

Das erste Highlight im Süden Chiles ist die Vulkangegend bei Villarrica. Der leere Campingplatz östlich von Temuco ist Ausgangspunkt für die kommenden Tagestrips zum Nationalpark Parque Nacional Conguillio mit dem Vulkan Llaima, der Laguna Conguillio und dem idyllischen See Lago Arcoiris. Auch ein Besuch der Termas Geometricas südlich des Vulkans Villarrica steht auf unserer To-do-Liste.

Einen Halt in Puerto Montt nutzen wir zum Wäschewaschen, dann geht es mit der Fähre rüber zur Insel Chiloe. Hier können wir die wunderschönen Pfahlbauten und die weltberühmten Holzkirchen bestaunen.

Im Süden der Insel Chiloe bei Quellon setzen wir am 2.12.2018 wieder mit der Fähre aufs Festland über und übernachten nochmal in Chaiten, wo wir tags drauf das erste mal unsere Reifen auf die herbeigesehnte „Carretera Austral“ setzen. Die Militärstraße hatte der Diktator Pinochet bauen lassen, um den Süden des Landes besser zu erschließen. Auch uns erschließt sich somit eine wunderbare Fahrt durch Täler, an Flüssen vorbei, wo selbst die kleinsten Brücken Namen haben. Ein bisschen erinnert es uns an die Schweiz. Nur die Straßen sind dort nicht so staubig. Während es anfangs noch auf Asphalt geht, wird es irgendwann zu einer staubigen Angelegenheit. Wir und unsere Motorräder sehen entsprechend aus. Bei Überholvorgängen wird es uns manchmal mulmig, wenn wir auf kiesigen Pisten an LKWs vorbeidonnern, um uns aus deren Staubfahnen zu befreien.

Eine Nacht campen wir in der Nähe der Insel Magdalena auf einer Betonplatte nahe der Straße. Hier liege ich so hart, dass die Anspannungen der vergangenen Tage und die harte Unterlage mir einen sauberen Hexenschuss bescheren. Tags drauf nehmen wir wieder eine Pension in Cohaique, um dann am 5.12. bis zum Lago General Carrera zu fahren.

Hier an Chiles größtem See liegen die berühmten Marmor-Höhlen. Ein Besuch am Nikolaustag mit einem Touristenboot wird unvergesslich.

Eine Spritze beim örtlichen Mediziner hilft etwas gegen die Schmerzen im Rücken. Zudem freuen sich auch unsere Motorräder, als wir sie vom Schmutz befreien.

Am 7.12. fahren wir dann wieder weiter auf der Carretera Austral. Noch einmal wird übernachtet, dann erreichen wir den südlichsten Punkt des Straßennetzes in Puerto Yungay.

Jeder Motorradreisende, der diese Tour plant, muss sich die Frage stellen, wie er hier im Süden, vom Westen der Anden in Chile rüber kommt nach Argentinien. Manche fahren wieder nach Norden zu einem der Pässe, um darauf die Anden zu überqueren. Das Problem wäre dann, dass man in Argentinien die Strecke nach Süden zweimal fahren darf, runter und wieder rauf. Um dieses Problem zu umgehen, nehmen wir hier im Süden die Fähre. Das Ticket dazu haben wir im Internet organisiert.

Somit stechen wir am 8.12. abends in See, um mit einer Fähre durch die südliche Fjordlandschaft Chiles zu schippern. Nach einem Zwischenstopp in Puerto Eden erreichen wir am 10.12. vormittags Puerto Natales.

Patagonien

Nun sind wir in Patagonien angekommen. Dieser Landstrich im Süden Amerikas liegt auf den Territorien Chiles und Argentiniens. Zunächst übernachten wir nochmal in der chilenischen Hafenstadt.

Am Tag darauf trennen sich mal kurz unsere Wege. Mir macht der Rücken noch Probleme, somit gönne ich mir einen ruhigen Tag. Jürgen und Harry fahren unterdessen nach Norden zum Nationalpark „Torres del Paine“. Diesen hatte ich bei einer anderen Reise bereits besucht, insofern gönne ich den beiden diesen Trip gerne.

Am 12.12. fahren wir erneut los, zunächst nach Osten die 255er entlang bis zum Fähranleger, um über die Magellanstraße überzusetzen.

Nun sind wir in Feuerland angekommen – „La isla tierra del fuego“.

Zunächst bleiben wir im chilenischen Teil und fahren an dem Tag bis zur Grenze. Hier, an der Zollstation „La Frontera“ können wir nochmal übernachten, um dann am Folgetag nach Argentinien, unser zweites Land in diesem Urlaub, einzureisen.

Wir fahren zunächst an der Ostküste Feuerlands nach Süden, der Wind lässt uns kaum geradeaus fahren. Mit einer intensiven Schieflage kämpfen wir uns durch die karge Landschaft, lassen Rio Grande „links liegen“ und biegen dann beim Lago Fagnano wieder in die Inselmitte ab. Hier überqueren wir einen kleinen Bergkamm, um an der südlichsten Stadt der Welt „Ushuaia“ anzukommen.

Jürgen fährt stilgerecht mit der Bayernfahne durch das Eingangsportal der Stadt, von der aus Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis aufbrechen.

Inzwischen ist schon Mitte Dezember, wir sind jetzt seit einem Monat unterwegs. Ein Wander-Ausflug zu einem Gletscherausläufer über der Stadt und ein Trip zum „Ende-der-Straße-Schild“ am Ende der Straße bereichern diese Etappe ebenso wie die kulinarischen Restaurantbesuche bei Grillspezialitäten und Langusten-Essen.

Von hier ab geht es nun wieder nach Norden. Am 16.12. brechen wir auf, fahren wieder quer über die Insel und setzen diesmal im Westen bei Porvenir über die Meerenge bis Punta Arenas.

Am 19.12. geht es nochmal nach Süden, wir wollen zum südlichsten Punkt auf dem Festland fahren, der auf öffentlichen Straßen erreichbar ist.

Eine kleine Besichtigung von „Fuerte Bulnes“, einer Befestigungsanlage, die die Meerenge kontrollierte, und eines kleinen Friedhofs mit bestatteten Seeleuten unterbrechen diesen Ausflug.

Fin de Camino- Das Ende der Straße

Dann geht es auch hier wieder nach Norden. Jürgen hat seine Visa-Karte vermisst und deshalb wollen wir nochmal zurück nach Punta Arenas, wo das Glück ihm hold ist und er seine Kreditkarte wiederfindet. Unsere alte Pension ist nicht mehr frei, aber wir finden eine nette Alternative.

Argentinien

Tags drauf, am 21.12. überqueren wir erneut die Grenze nach Argentinien und fahren an diesem Tag auf der berühmten Ruta 40 bis El Calafate.

Da wir noch früh am Nachmittag ankommen, nutzen wir die verbleibenden Stunden, um erst unsere Pension zu beziehen und dann ohne Gepäck noch weiter bis zu einem weiteren Highlight der Reise zu fahren.

Der „Perito Moreno Gletscher“ liegt im Nationalpark „Los Glaciares“ und ist touristisch perfekt erschlossen. Ein großer Parkplatz und Stege, die bis zum Gletscher führen, ermöglichen uns, bis nahe an die Eiswand zu gehen.

Perito Moreno Glacier
Glacier

Gobernador Gregores ist unser nächster Halt auf der Ruta 40. Die Landschaft ist nicht besonders reizvoll, die Straßen ermöglichen uns nicht sehr schnell zu fahren, Schotterstraßen sind zuhause sehr reizvoll, hier sind wir dankbar, wenn mal wieder Asphalt unter unsere Räder kommt.

hier waren schon andere Motorradfahrer
eine Tankstelle ohne Benzin – wussten wir aber vorher…
Asphalt !!!!

500 km weiter nördlich liegt Rio Mayo, unsere nächste Station auf dem Weg nach Norden. Hier beschließen wir wieder rüber nach Chile zu fahren, da uns langsam die Zeit davonrennt. Am 24.12. an Heilig Abend können wir in El Bolson Rast machen. Wir werden auf der Straße von einem Autofahrer angesprochen der Zimmer vermietet. Da die Campingplätze alle geschlossen sind, nehmen wir sein Angebot an und fahren ihm hinterher. Es ist ein Glücksfall, abends grillen wir zusammen mit anderen Reisenden in seinem Garten. Unser Gastwirt bekommt fast eine Herzattacke und Harry einen Rüffler, als er seine Zigarettenasche in die Grillglut gibt. Für Argentinier ein Sakrileg 🙂

wenn Argentinier grillen….

Den 25.12. nutzen wir für einen Badeausflug zum Lago Puelo. Eigentlich wollte ich auch Klaus Schubert (Buch „Abgefahren – in 16 Jahren um die Welt“) besuchen, leider haben er und Claudia sich so isoliert, dass wir ihn nicht finden können….

Zwei Tage später geht es erneut auf die Strecke. Wir fahren nach San Carlos de Bariloche, dann erneut über die Anden nach Chile bis zum Lago Puyahue, wo wir erneut unsere Zelte aufschlagen.

Chile

Auf chilenischer Seite kommen wir wieder schneller nach Norden. Eigentlich wollten wir uns auf dieser Reise treiben lassen – wo es schön ist, länger verweilen, spontan Abstecher machen zu schönen Orten, weniger planen als auf unseren vergangenen Urlauben. Die drei Monate lassen dennoch wenig Raum für Spontanität, vor allem auch, weil Jürgens Suzuki laufend Probleme macht. Anfangs braucht sie immer länger bis sie anspringt, irgendwann geht es nur noch mit Gefälle. Inzwischen reicht auch das nicht mehr und Harry muss Jürgen an die Leine nehmen. Ein Abschleppseil um die Fußrasten und Jürgen muss von Harry auf Tempo gebracht werden. War anfangs auch das mit einer einmaligen Abschleppaktion möglich, braucht es nun mehrere Versuche, bis Jürgens DR anspringt.

Am 31.12. erreichen wir Vina del Mar. Ein Apartment mit Hinterhof für unsere Motorräder bietet uns Unterkunft für den Abend. Hier treffen wir meine ehemalige Kollegin Olga, die sich ebenfalls auf einer Südamerikareise befindet. Sie und ihre Freundin gehen mit uns abends Essen. Anschließend wollen wir auf einem kleinen Platz mit Blick zum Hafen den Jahresausklang feiern. Harry besorgt noch Gewürzkekse und Sekt, doch nun meldet sich auch Jürgens Körper mit Problemen. Starke Schmerzen verhindern die Bewunderung des größten Feuerwerks in Lateinamerika, wir drei torkeln durch die Straßen auf der Suche nach Hilfe für Jürgen. Erst um 3 Uhr in der Früh kommen wir nach einem Besuch in einer Ambulanz zur Ruhe, wo Jürgens Nierenkolik Linderung bei einer Infusion findet.

Nach eineinhalb Monaten haben wir nun die Hälfte der Reise hinter uns – bzw. noch vor uns. Doch erstmal ist eine Überholung unserer Motorräder angesagt. Dazu fahren wir am 2.1.19 in die nahegelegene Hauptstadt Santiago de Chile. Hier finden wir eine Werkstatt, wo wir neue Reifen bekommen und einige Services machen lassen. Auch hoffen wir hier die Probleme des Anspringens von Jürgens Motorrad zu beheben. Ein inzwischen bestelltes Ersatzteil aus Deutschland hängt leider im Zoll fest. Der Pick-Up, eine Geberspule für die Zündung, soll der Verursacher sein. Da wir jedoch nicht an das Paket herankommen, versuchen wir den defekten Pick-Up richten zu lassen, was auch überraschenderweise gelingt. Hätten wir das doch früher gemacht, wir hätten uns viele Mühen gespart !

Am 8.1. beginnen wir unsere zweite Runde, diesmal in den Norden. Knapp 500 km stehen am Ende des Tages mehr auf dem Tacho, als wir in der Nähe von Ovalle bei Samo Alto einen netten Campingplatz erreichen.

Südlich von Ovalle
Camping bei Samo Alto

Von hier aus geht es weiter nach Vicuna. Martina von der Villa Kunterbunt hat uns die Adresse ihrer Freundin hier gegeben. Wir nutzen die Herberge nun auch für eine Gewichtsreduzierung bei den Motorrädern. Da wir nicht vorhaben, in Bolivien oder in Peru zu campen, senden wir unsere Campingausrüstung zurück nach Valparaiso, um sie bei Martina einzulagern bis wir aus den Norden zurückkommen.

Ein Tagesausflug bringt uns in ein Seitental in einer Weinbauregion Chiles – Valle del Elqui mit dem Rio Claro. Hier wird Pisco (ein Traubenschnaps) gekeltert und wir machen Rast in einem netten Lokal.

Tags drauf, am 11.1. geht’s erneut über die Anden. Wir fahren über den Paso de Agua Negra. Und das erste mal in meinem Leben komme ich auf über 4753 Meter. Die Landschaft ist wunderschön, die intensiven Farben der Berge begleiten uns auf dem Weg in die Höhe. An einem See wird ein kurzer Stopp gemacht, dann greifen wir die letzte Strecke zum Pass an. Die Höhe macht auch uns zu schaffen, um die Höhenkrankheit zu umgehen trinken wir viel. Leider muss ich dann fast alle 200 m auf die Toilette.

auf der Fahrt zum Paso de Agua Negra
Farbige Berge und klare Bergseen
Schotter unter den Rädern
am Pass
Die Abfahrt durch wunderschöne Landschaften

Als wir den Pass erreichen können wir nur kurz Halt machen. Wir merken den Schwindel und fahren schnell auf argentinischer Seite wieder hinab ins Tal zur argentinischen Grenzstation.

Es wird schon dämmrig, als mich der Zöllner auf mein fehlendes Nummernschild hinweist. Voller Hoffnung mache ich mich erneut auf zurück zum Pass, nochmal hinauf auf 4700 m, immer den Straßenrand im Blick in der Hoffnung, dort mein verlorenes Nummernschild zu finden. Leider erfolglos. Langsam wird es dunkel und ich muss die Suche im Niemandsland abbrechen. Auch der Tank wird langsam leer und ich fahre spritsparend zurück zur Grenzstation, wo die anderen auf mich gewartet haben. Harry ist vorausgefahren, um eine Unterkunft zu besorgen. Die Zöllner lassen mich nun auch ohne Schild nach Argentinien einfahren mit dem Hinweis mich bei der Polizei zu melden.

something is missing
rauf – runter – wieder zurück – und nochmal runter….

In Harrys gefundener Herberge wird erstmal ein Bier getrunken um sich von dem Schock zu erholen.

Argentinien

Von Las Flores fahren wir nach La Rioja, dann weiter bis San Miguel de Tucuman. Am dritten Tag in Argentinien kommen wir bis nach Salta.

Die Gegend bei Salta ist wunderschön. Bunte Berge und traumhafte Landschaften laden zum Verweilen ein. Gerne würden wir hier länger bleiben, aber es ist inzwischen Mitte Januar und in einem Monat geht der Flieger heim. Und wir haben noch eine lange Strecke vor uns.

Fotostop abseits der Straße
Traumhafte Gegend

In Salta steuere ich zuerst einen Copy-Shop an, um eine Kopie meines Nummernschildes zu machen. Auch ein Irrlauf durch die argentinische Behörden-Instanz ist ermüdend, bis ich am Ausgangspunkt meiner Suche in einer Touristenpolizei eine hilfsbereite Polizistin finde, die mir eine Verlust-Bescheinigung ausstellt.

Salta
schöne Kirchen
Seilbahn über Salta
Snack

Eins vorweg, ich habe für den Rest der Reise, auf den kommenden drei Grenzübertritten, weder Probleme mit dem falschen Nummernschild gehabt noch die Bescheinigung benötigt.

Wir fahren von Salta aus zur Grenze nach Bolivien. An der Grenze brauchen wir eine Versicherung, die in einem nahegelegenen Ort gekauft werden kann. Ein Taxi bringt uns dorthin und zurück, und mit unseren Motorrädern fahren wir nach Villazon. Wir sind in Bolivien, unserem dritten Land in Südamerika.

Bolivien

Es ist der 17.1.19 und wir sind erneut auf über 3000 Höhenmetern. Heute geht es aber noch höher hinauf, wieder über die 4000 m und Tagesziel ist der Salar de Uyuni. Auf dem Weg dahin muss ein Gebirgszug überquert werden, der uns erneut auf 4200 m bringt. Über uns tobt ein Gewitter und das erste mal auf der Reise wird es mir richtig mulmig. Während es dunkel um uns wird und der Donner durch die Berge grollt, versuchen wir schnell aus den Bergen zu entkommen. Zum Glück werden wir kaum nass und kein Blitz trifft uns. Vor uns erstreckt sich der Salar und wir kommen am frühen Nachmittag in Uyuni an.

Der Folgetag ist der größten Salzpfanne der Erde gewidmet. Eine gebuchte Tour holt uns morgens an der Pension ab, erster Stopp ist der Friedhof der Eisenbahnen. Nach einer Fotopause geht es in den Salar. Zeitweise dürfen wir auf dem Jeepdach mitfahren. Da es die Vortage geregnet hat, steht der Salar ca. 5-10 cm unter Wasser, mit Motorrädern wäre er nicht zu befahren. Mit dem Allrad gibt es aber keine Probleme und die Fotos werden toll, die Spiegelung und die fehlenden Objekte für eine perspektivische Zuordnung machen die Fotos einmalig.

Friedhof der Züge
die Rallye Dakar war auch am Salar
der Salar unter Wasser

Nach einer weiteren Übernachtung in Oruro kommen wir in La Paz an. Diese Stadt beeindruckt durch ihre Größe und die Lage zwischen den Hängen. Auf beiden Seiten des Tals wachsen die Wohngebiete inzwischen die Seiten hinauf und weiter hinaus, ein Seilbahnsystem ermöglicht die höher gelegenen Stadtteile zu besuchen. Da viele Häuser kaum verputzt sind, herrscht das Ziegelrot der Bauten vor und gibt der Metropole einen unvergleichlichen Charme.

La Paz

La Paz ist unser Ausgangspunkt für die Yungas Road, dem „Camino de la Muerte“, der „Todesstraße“. Zwischenzeitlich hat sie aber ihre Gefährlichkeit verloren, hauptsächlich Fahrradfahrer oder Touristen kommen uns entgegen. Dennoch beeindruckt die Straßenführung entlang steiler Abgründe.

Die Straße des Todes
we did it

Nach La Paz geht unsere Fahrt nach Westen, Richtung Peru. Vorerst machen wir noch auf bolivianischer Seite des Titicaca-Sees halt, in Copacabana. Abends laufen wir durch die festliche Stadt und klettern auf den Hausberg, den Cerro Calvario. Von hier aus haben wir einen wunderbaren Blick über den See und können einen atemberaubenden Sonnenuntergang erleben.

Copacabana am Titicacasee
Sonnenuntergang über der Stadt
Titicacasee

Am Folgetag sind wir früh am Strand und suchen unser Boot, welches uns zu den bekannten Inseln „Isla del Sol“ und „Isla de la Luna“ bringt. Erstere noch interessant ist die zweite eher langweilig. Hier soll damals ein Gott aus dem Himmel herabgestiegen sein und das Inkareich erschaffen haben.

Peru

Ein neuer Grenzübertritt und wir sind in Peru. Wir fahren an dem Tag bis Puno. Dort bleiben wir allerdings nicht lange, sondern fahren am nächsten Tag hinein in die Peruanische Hochebene. Dann erreichen wir den höchsten Punkt unserer Reise. Auf dem Paso Ticlio erreichen wir 4818 m. Absoluter Rekord bisher. Gleich danach geht es wieder hinab und in Chivay finden wir erneut eine Herberge.

Früh morgens machen wir uns auf, um zuerst nach Westen, zum Aussichtspunkt Cruz del Condor des Colca Canyons zu fahren. Es gibt nur ein Zeitfenster von ca. 30 Minuten, in dem die Thermik die großen Aasfresser über die Touristenbusse fliegen lässt. Wir kommen fast zu spät, aber für ein paar Fotos reicht es.

Cruz del Condor
Ein Condor

Abends kommen wir in Arequipa an. Hier entschließt sich Harry einen Tagesausflug nach Machu Picchu zu buchen. Auf einem Gewalttrip wird er am Folgetag eine weitere Sehenswürdigkeit in Peru anschauen, währenddessen genießen Jürgen und ich die Stadt und abends ein leckeres Essen, bei dem wir die berühmte peruanische Küche ausprobieren.

PLaza de Armas in Arequipa
Basilika Catédral di Santa María
ausgezeichnetes Restaurant in Arequipa mit zwei Gourmets 🙂

Am letzten Januartag fahren wir wieder gemeinsam nach Süden. Ab jetzt ist das Gefühl des „Heimfahrens“ in uns. Unsere Reise geht dem Ende zu. Wir haben den nördlichsten Punkt schon hinter uns uns nun fahren wir am Pazifik entlang durch eine Wüstenlandschaft Richtung chilenischer Grenze.

Nach einer Nacht in Tacna steht der letzte Grenzübertritt vor uns. Erneut müssen wir Formulare ausfüllen und den Chilenen bestätigen, dass wir keine „gefährlichen“ frischen Früchte bei uns haben.

Ein Tal im Süden Perus

Chile – Atacama

Nach Tacna geht es an Arica vorbei in die Nähe von Iquique. Wir finden über AirB&B eine interessante Unterkunft bei einer ärmlichen Familie, die Kinder erfreut Harry am Abend noch mit seiner Drohne. Da mein Reifen immer wieder Luft verliert, beschließen wir am Folgetag in die Hafenstadt Iquique zu fahren.

Pazifikküste

Ein anderer Motorradfahrer leitet uns zu einer Werkstatt, aber erst der zweite Versuch ermöglicht den Wechsel eines Schlauchs. Da der Tag inzwischen fortgeschritten ist, bleiben wir in der Stadt am Pazifik. Nachmittags geht es ans Meer und das Salzwasser zerstört mein Smartphone. Während wir abends dann beim Essen sitzen, bekomme ich Nachricht vom Tod meiner Großmutter. So wird diese Stadt leider immer für mich ein trauriges Image haben.

Von Iquique aus geht es nun an der Küstenstraße entlang nach Süden. Bis Tocopilla, dann verlassen wir die leere Straße und fahren wieder in die Hochebene hinein, zuerst an Calama vorbei, dann in die bekannte Touristen-Wüstenstadt San Pedro de Atacama.

Inzwischen ist der 3. Februar. In der trockensten Wüste der Welt kommt es alle 6 bis 10 Jahre zu heftigen Regenfällen, und auch dieses Jahr hat es aus Kübeln gegossen. Auf den Straßen sind große Pfützen, San Pedro zeigt sich nicht von der schönsten Seite – wir haben noch Glück, sagt man uns, da die Zufahrt zur Stadt nach uns gesperrt wurde. Es sind kaum Touristen da und wir haben Mühe, eine Tour zu den Tatio-Geysiren zu buchen. Mit einer zusätzlichen Gebühr kommt doch noch ein Trip zustande, der uns am Folgetag zu den bekannten Fontänen bringt. Leider sind auch die nicht so schön wie beim letzten Besuch, es nieselt und es tut mir für Jürgen und Harry leid, da ich weiß, wie schön dieses Ereignis sein kann.

El Tatio Geysir
Flamingo

Nachmittags fahren Jürgen und ich noch mit unseren Suzukis durch die Wüste nach Süden, um ein wenig Enduro-Feeling zu haben.

Da die Atacamawüste ziemlich verregnet ist, brechen wir am 5.2. auf, um zurück an den Pazifik zu fahren.

Nun erleide ich einen weiteren Dämpfer mit meiner Suzuki. Mitten in der Atacama, schwere Laster donnern an mir vorbei, fahre ich als letzter von uns dreien – als ich merke, wie der Reifen erneut Luft verliert. Ein totaler Platten lässt mich zurückfallen. Nach einiger Zeit kommt Jürgen zurück und gemeinsam fahren wir die 5 km zum nächsten Ort, wo eine Werkstatt einen fetten Flicken auf meinen Schlauch klebt.

Wir kommen bis Antofagasta, wo wir in einem Apartment unterkommen. Abends gehen wir noch zu einem Chinesen essen.

Auf der Weiterfahrt nach Süden ist eine weitere Sehenswürdigkeit unser Ziel, die ich unbedingt „mitnehmen“ will, die Hand der Wüste, die „Mano del Desierto“.

el mano del desierto

Abends erreichen wir eine kleine Bade-Stadt, Bahia Inglesa. Hier tummeln sich erneut Touristen und wir erholen uns abends am Strand. Als wir dann auf der Küstenstraße weiterfahren merke ich plötzlich, wie mein Motorrad zu Schlingen anfängt. Ich denke, ich verliere schon wieder Luft, aber gleich darauf überholt mich mein Hinterrad und ich schlittere über die schmierige Straße. Zum Glück landen meine DR und ich in der sandigen Böschung. Bis auf einen total verbogenen Koffer ist nichts kaputt, aber wir verlassen daraufhin die Küstenstraße und biegen ins Landesinnere ab, um nach Süden zu fahren. Als ich bei einer Raststelle die Suzuki kontrollieren will, verletzte ich mich auch noch mit der Fußraste am Kopf… das war definitiv nicht MEIN Tag.

rutschige Straßen
Blechschaden
Kopfschaden

In La Serena bleiben wir für einen Tag und nutzen die Zeit zum Baden. Hier bekomme ich einen furchtbaren Sonnenbrand, der nur mit Jürgens AloeCreme einigermaßen ertragbar wird.

Da wir einen Tag früher in Vina del Mar bzw. Valparaiso ankommen, nehmen wir uns eine Unterkunft. Auf der Hinfahrt hält mich ein Polizist auf, da ich an einem Stau vorbeigefahren bin. Eine halbe Stunde redet er auf mich ein bevor er mich, um Papierkram zu vermeiden, wieder fahren lässt.

Es ist der 12. Februar und wir kommen zu unserer allerersten Herberge Villa Kunterbunt zurück. Unsere Camping-Pakete sind gut angekommen. Ich fahre mit Martina Einkaufen und abends gibt es erneut ein leckeres Grill-Event.

Nun müssen wir von unseren Motorrädern Abschied nehmen. Erneut treffen wir uns mit Ronny am Zoll-Terminal, wo wir unsere Motorräder in die Obhut von Intime übergeben. Ronny bringt uns anschließend nach Santiago de Chile, wo wir unsere letzte Herberge beziehen.

bepacktes Motorrad am Zollterminal

Am 15.2.2019 fliegen wir nach drei Monaten Motorradreise wieder nach Europa. Hinter uns liegen ein halber Kontinent, 4 Länder, über 16000 km, Pässe über 4800 m. Wüstengebiete haben wir durchquert, aber auch in Bolivien in den Regenwald reingeschnuppert. Bis auf zwei Gewitter haben wir uns nie bedroht gefühlt. Die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Obwohl die Chilenen schlecht über die Argentinier reden, über Gefahren von Überfällen an der bolivianischen Grenze „erzählten“ , vor der wirtschaftlichen Situation in Argentinien wurden wir gewarnt, vor korrupten Polizisten – wir hatten nie den Eindruck auch nur annähernd in Gefahr zu geraten.

Heimflug

Resumé

Bei den Motorrädern haben Jürgen und ich unsere Suzukis DR 650 SE gewählt. Wir wollten keine zu technischen Motorräder fahren, um vor Ort überall Hilfe bekommen zu können. Südamerika ist „Suzuki-Land“, hat es geheißen. Allerdings fanden wir mehrere KTM-Werkstätten vor und Harry hatte am wenigsten Probleme mit seiner neuen BMW.

Das Gepäcksystem hat sich bewährt, um viel mitzunehmen und es abzuschließen. Als ich allerdings am Ende meinen Ausrutscher hatte, reichte dies, um den Koffer total zu verbiegen. An ein Reparieren war nicht mehr zu denken. Hier wäre ein Taschensystem besser gewesen.

Zelt und Camping waren ein Muss. Wir haben auf der Südroute viel gecampt, allerdings war das teure Hilleberg-Zelt bzw. mein Fjallraven nicht unbedingt nötig. Hier wäre ein kleineres und vor allem leichteres Zelt ausreichend gewesen. Das Kochzeugs hätten wir auch zuhause lassen können. Mein Motorrad war definitiv zu überladen, da ich für Patagonien und die bolivianischen Höhen warme Sachen eingepackt hatte. Erst nach dem Heimsenden der Campingsachen wurde es besser.

Ich würde die Reise zukünftig auf zwei Trips aufteilen und dann jeweils zwei Monate fahren (wenn es machbar wäre). Dann würde man vor Ort mehr Zeit haben und die Reise würde sich entschleunigen.

Nichtsdestotrotz war es ein tolles Abenteuer und ich hoffe, ich komme eines Tages zurück.

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